Die Behörde als Partner, nicht als
Feind
aus: Westfälische Rundschau, 15.2.2007
Ein Bild aus vergangenen Tagen: In der Küche ihrer Wohnung Am
Willigloh unterrichtete Natascha Skeet ihre Kinder und die befreundeter
Familien.
(WR-Bild: Raith)
Lüdenscheid. (CMz) Im Oktober hat sie Lüdenscheid und
Deutschland den Rücken gekehrt, weil ihr Kampf gegen die deutsche
Schulpflicht aussichtslos schien: die Familie Skeet. Die
Lüdenscheider Anhänger des Hausunterrichts leben seit Ende
Oktober in Großbritannien auf der Isle of Wight, einer Insel im
Ärmelkanal. Jetzt erreichte die WR ein erster Bericht.
"Erfahrungen mit Homeschooling in Deutschland und in England" hat
Jonathan Skeet seinen Text genannt, der die Situation der Familie vor
der Auswanderung mit der heute vergleicht. Die WR veröffentlicht
den Bericht im Wortlaut:
"Heute Nachmittag hatten wir Besuch von einer Repräsentantin der
lokalen Bildungsbehörde. Die Dame, Mrs. D., kam um 15 Uhr und
blieb für ungefähr eine halbe Stunde bei uns. Während
dieser Zeit hatte sie Einblick in das Material, das wir mit unseren
Kindern benutzen, in einiges der schriftlichen Arbeit, die sie erledigt
haben. Sie sah die Bilder, die sie gemalt haben und hörte sogar
einem kleinen spontan dargebotenen Klavier-Violine-Duett, gespielt von
unseren zwei ältesten Töchtern, zu.
Der Besuch war eine sehr freundliche und angenehme Angelegenheit. (...)
Sie war bemüht, zu unterstreichen, daß sie nicht da war,
eine offizielle Kontrolle der Unterrichtung unserer Kinder
durchzuführen - ob sie irgendeinem bestimmten Programm oder Plan
folgen -, sondern nur, um zu erfahren, ob wir mit der Situation fertig
werden, ob unsere Kinder lernen und sich entwickeln.
Sie sagte, es sei unsere Sache, wie wir unseren Hausunterricht
strukturieren möchten - entweder mit formalen Lektionen, wie in
einer staatlichen Schule oder durch weniger formale Methoden, in
Anlehnung an mehr praxis- oder erfahrungsorientierten Kontext. (...)
Sie konnte die Herausforderungen des Homeschooling nachvollziehen, da
sie ihren Sohn auch zuhause unterrichtet hat. Sie gab uns auch den
Hinweis, den Schulleiter der örtlichen Grundschule anzusprechen,
und er würde eine Benutzung der Sporteinrichtungen nachmittags
oder abends ermöglichen, falls wir dies wünschten.
Schließlich kündigte sie an, gern in drei Monaten noch
einmal zu kommen, falls wir dies wünschten. Danach könnte sie
einmal jährlich vorbeikommen. Wir sind sehr froh darüber,
dass sie da war, zumal sie uns ihre Hochachtung erwiesen hat, diesen
Bildungsweg für unsere Kinder eingeschlagen zu haben. Und sie
konnte uns praktische Hilfe anbieten. Wir sind nicht verpflichtet,
irgendjemand von den Bildungsbehörden in unser Heim zu lassen,
möchten dies aber gern. Wir wollen mit ihnen
zusammenarbeiten und sie als Partner sehen - nicht als Feinde.
Wir sind nach England, gezogen, weil wir von den deutschen
Schulbehörden in Lüdenscheid aufgrund unseres familiären
Lernkonzepts extrem drangsaliert worden sind. Trotz zahlreicher
Einladungen lehnten sie jeden Besuch bei uns ab und sie verhängten
Buß- und Zwangsgelder in Höhe von 6 700 Euro, deren Einzug
sie mit der Konfiszierung unseres Autos erzwangen (...).
Sie sandten Sozialpädagogen, um die Kinder zu
überprüfen. Nach eingehender Musterung und dem gewonnenen
Eindruck von einer erstrebenswerten Form familiären Zusammenlebens
leiteten sie trotz seiner positiven Stellungnahme den Fall an das
Familiengericht weiter. Dies sollte überprüfen, ob nicht noch
andere Schritte gegen uns eingeleitet werden könnten, zum Schutz
und Wohl der Kinder - was für ein Kontrast zu unserem neuen Leben
hier auf der Isle of Wight. (...)
Während ihres Besuchs bei uns habe ich Mrs. D. von unseren
Problemen in Deutschland erzählt. Sie schaute ungläubig,
schüttelte ihren Kopf und wandte sich sprachlos und frappiert
ihren Dokumenten wieder zu."
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